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Lesen!


Sechs Koffer: Roman / Biller, Maxim; KiWi Verlag 2018; 19,00 €

Maxim Biller ist kein Mensch, der es sich oder seinen Mitmenschen leicht macht. Das hat er im Literarischen Quartett bewiesen und auch als Schriftsteller ist er oft kompromisslos.   Sein neuer Roman „Sechs Koffer“ macht da keine Ausnahme. »Sechs Koffer« – ist die Geschichte einer russisch-jüdischen Familie auf der Flucht von Ost nach West, von Moskau über Prag nach Hamburg und Zürich. – Es ist ein virtuoses literarisches Kunststück. Aus sechs Perspektiven erzählt der Roman von einer Denunziation. Das Opfer ist der Großvater des inzwischen in Berlin lebenden Erzählers. Die gesamte Verwandtschaft ist verdächtig.
Es ist ein erstaunliches, sehr gut lesbares Stück der deutschen Gegenwartsliteratur: eine Erzählung über sowjetische Geheimdienstakten, über das tschechische Kino der Nachkriegszeit, vergiftete Liebesbeziehungen und die Machenschaften sexsüchtiger Kultur-Apparatschiks. Zugleich ist es aber auch eine Geschichte über das Leben hier und heute, über unsere moderne, zerrissene Welt, in der fast niemand mehr dort zu Hause ist, wo er geboren wurde und aufwuchs.   

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Im Bann des Silberfalken / Brandis, Katja; Arena Verlag  18 Euro  (Khyona; 1) Jugendbuch ab 12 Jahren

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Kari, die mit ihrer Patchwork Familie in Island zum ersten Mal gemeinsam Urlaub macht. Doch auf den neuen Freund ihrer Mutter samt seines Sohnes John hätte Kari auch gut verzichten können. Zu allem Übel ist der steife Start der Reise Karis Geburtstag. Als kleinen Lichtblick verspricht ihr ihre Mutter zum Geburtstag eine tolle Überraschung: Ein Ausritt mit Islandpferden, der endet für Kari aber nicht, wie erwartet, im Ferienhaus, sondern in einem Land fern unserer Vorstellung, der Parallelwelt zu Island: Isslar. Ein Land voller Magie, in denen Elfen, Trolle, Drachen und Geysire das Land bevölkern. Hier muss Kari sich sofort unter Beweis stellen, fälschlicherweise hält man sie für die Assassinin Cecily, die im Auftrag der Fürstin deren magische Beraterin Maeve umbringen soll. Das Missverständnis aufzulösen kommt nicht in Frage, denn sonst würde ihr selbst der Tod drohen. Die Autorin Katja Brandis bleibt sich auch in diesem neuen Reihen-Auftakt treu. Mit einer zeitgemäßen Sprache und wunderschönen Landschaftsbeschreibungen entsteht eine fesselnde Geschichte mit Spannung, Rätsel und Intrigen, die alles aufweist, was junge und ältere Fantasy-Leser schätzen. Ich bin sehr gespannt und freue mich jetzt schon auf den zweiten Band der Reihe.

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Data Tutaschchia – Der edle Räuber vom Kaukasus : Roman /  Amiredschibi, Tschabua; Kröner Verlag 2018    29,90 €

Der Autor Tschabua Amiredschibi (1921bis 2013) ist ein Kultautor der georgischen Gegenwartsliteratur. Geboren 1921, 1944 für 25 Jahre nach Sibirien verbannt, kehrte er 1960 nach drei Gefängnisausbrüchen und zwei Todesurteilen rehabilitiert nach Georgien zurück. 1992 wurde er in das georgische Parlament gewählt. „Data Tutaschchia“, sein Hauptwerk, ist zumindest gedanklich bereits in der Haft entstanden. Es handelt von einem Freiheitskämpfer, der mehr durch einen Zufall in diese Rolle gerät. Anhand des Protagonisten und seiner Geschichte werden auf sehr intelligente Weise philosophische Fragen diskutiert: Ist es richtig und sinnvoll sich einzumischen? Was macht Besitz und Eigentum mit einem Menschen? Nebenbei aber nicht nebensächlich wird die Geschichte Georgiens erzählt. Das Buch zu lesen übt eine große Faszination aus. Es ist anders, als unsere aktuellen Romane, erinnert teilweise an die russischen Klassiker. Dass der Kröner Verlag dieses 700 Seiten starke Werk jetzt auf Deutsch herausgebracht hat, ist auch eine große und mutige Tat. Als Buchhändler warte ich darauf, dass Kunden fragen, ob ich das Buch von Tschabua Amiredschibi mit dem Titel „Data Tutaschchia“ dahabe. Es würde sich lohnen.

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Tausend Teufel: Kriminalroman / Goldhammer, Frank; DTV, Taschenbuch  16,90 €

Dresden 1947: Im zweiten Jahr nach Kriegsende gehört die Stadt zur sowjetischen Besatzungszone und ist nach wie vor eine Trümmerwüste. Es fehlt an Lebensmitteln, Hunger und Krankheit plagen die Deutschen, während die Russen scheinbar im Saus und Braus leben. Oberkommissar Max Heller wird von der neu gegründeten Volkspolizei an einen Tatort in der Dresdner Neustadt gerufen. Ein russischer Soldat wurde ermordet aufgefunden, doch bevor er mit den Ermittlungen beginnen kann, wird die Leiche vom Militär weggeschafft, und Heller stolpert sogleich über einen weiteren toten russischen Soldaten. Die Beziehung zu den beiden russischen Oberkommandanten ist gefährlich angespannt, als Heller hinter den Morden einen Komplott vermutet und den Mörder den eigenen Reihen zuschreibt. Man kann die klirrende Kälte, die zum Zeitpunkt der Handlung herrscht, förmlich spüren. All das wird so glaubhaft und detailliert in die Handlung eingeflochten, dass die Hintergrundkulisse mühelos zum Leben erwacht, denn der Autor versteht es hervorragend, die damalige Zeit zum Leben zu erwecken. Frank Goldammer schildert auch in seinem zweiten Kriminalroman mit einer gewaltigen Vorstellungskraft und Intensität das Leben der Dresdner in der russischen Besatzungszone. Erhältlich in allen Buchhandlungen.

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Lissabonner Requiem : Eine Halluzination / Tabucchi, Antonio;  dtv TB  9,90 €
Diesen Roman hat der italienische Autor Antonio Tabucchi Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahnhunderts geschrieben und mit ihm eine hinreißende Liebeserklärung an Lissabon. Eine Liebeserklärung an Lissabon, seine Cafés, seine Museen, seine Restaurants, seine Friedhöfe und seine Menschen. Der Erzähler trifft im Laufe eines Tages auf viele verschiedene Personen. Teilweise sind sie verstorben. Es sind Menschen, die er kannte oder auch Zufallsbegegnungen. Ein Taxifahrer, eine Prostituierte, ein Barkeeper oder auch auch einen Maler, der seit 10 Jahren ein Bild von Hieronymus Bosch kopiert.  Immer findet ein kurzer, intensiver Meinungsaustausch statt, über das Leben, das Essen, die Liebe, den Tod. Um Mitternacht it der Erzähler mit einem verstorbenen Autor verabredet.
Der Roman hat etwas Magisches, Surreales. Die Personen tauchen auf und verschwinden, es gibt nicht immer schlüssige Übergänge zu den kommenden Begegnungen. Und doch entwickelt es einen Sog und ist eine wunderbare Sommerlektüre.

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Lesereise Portugal : Reisebericht
/ Sobik, Helge; Picus 2018   15,00 €
Im kleinen, aber sehr guten österreichischen Picus Verlag gibt es seit einigen Jahren die Reihe „Lesereise“. Das sind keine Reiseführer mit denen die Reisenden sich durch fremde Länder navigieren könnten. In diesen schönen Bänden werden Menschen und Gegebenheiten aus dem jeweiligen Land vorgestellt, die einen Einblick in Wesen und Kultur bieten. So ist dieses Jahr z.B. der Band zu Portugal erschienen. Wir können dort Vasco da Gama kennen lernen: Der Mann heißt wie die längste Brücke Europas, wie ein Einkaufszentrum in Lissabon, wie Fußballvereine in Rio, Kapstadt und Goa - und wie sein Urahn gleichen Namens, der einst den Seeweg nach Indien entdeckt hat. Vasco da Gama ist Antiquitätenhändler in Lissabon. Auch die Fischer auf den Inseln, die der Algarve vorgelagert sind, ticken ähnlich. Herzlich und zugleich zurückhaltend sind sie, typisch portugiesisch sowieso - wie die Leute aus dem Stockfisch-Kochverein von Aveiro, oder die Schäfer aus der bis knapp zweitausend Meter hohen Serra da Estrela tief im Binnenland. Ob im Februar an der vom Sturm umtobten Küste bei Porto oder in den Bergen, wo ein Ex-Banker eine bankrotte Weberei wieder zum Leben erweckt hat. Es sind immer subjektive, persönliche Eindrücke, die in den Bänden der „Lesereise“ festgehalten sind und diese zu einer sehnsüchtigen Urlaubsvorbereitung oder auch vergnüglichen Nachbereitung machen.

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Das Feld: Roman / Seethaler, Robert ; Hanser 2018; 22,00 €
Was bleibt von einem Leben? Eine Geschichte oder die Erinnerung an einen Moment, an ein bestimmtes Gefühl? Robert Seethaler lässt die Toten zu Wort kommen. In seinem neuen Roman "Ein ganzes Leben" erzählen die Bewohner eines kleinen Dorfes von alltäglichen Gegebenheiten, vom Moment ihres Todes oder auch von kleinen und großen Gaunereien. Sie berichten von Verlusten und von tragischen Irrtümern, die sie ins Grab gebracht haben. Manche nach einem langen mühsamen Leben, andere durch Unfall sehr früh. Ihnen selber kann keiner mehr was, sie sind bereits auf dem Friedhof beerdigt und haben so eine freie Sicht auf ihr Leben. Sie sind unaufgeregt, machen sich oder anderen keine Vorwürfe, sondern erinnern sich an Dinge, Momente oder auch nur an „Idioten“. Und alle tragen mit ihrer eigenen Geschichte zu einem Gesamtbild einer ganz normalen Gemeinschaft bei.
Auch wenn ca. 30 Tote, die von Ihrem Leben und/oder Tod erzählen etwas deprimierend sein könnten, ist dieser Roman ein gelungenes Spiel. „Als Lebender über den Tod nachdenken. Als Toter vom Leben reden. Was soll das? Die einen verstehen vom anderen nichts. Es gibt Ahnungen. Und es gibt Erinnerungen. Beide können täuschen.“

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Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt : Roman / Stamm, Peter; S.Fischer 2018, 20,-€

Christoph ist, oder besser war ein erfolgreicher Schriftsteller. Seit längerer Zeit hat er aber kein Wort zu Papier gebracht. Getragen von der fixen Idee, dass er  in einem jungen Mann sich selber in jungen Jahren wieder  erkennt, verabredet sich in Stockholm mit dessen Freundin, der viel jüngeren Lena. Er erzählt ihr, dass er vor zwanzig Jahren eine Frau geliebt habe, die ihr ähnlich, ja, die ihr gleich war. Diese Magdalena und hat ihn mittlerweile verlassen. Christoph glaubt, das Leben das Lena  führt zu kennen, zu wissen,  was ihr bevorsteht. Es beginnt ein faszinierendes Spiel der Vergangenheit mit der Gegenwart vor der Frage, ob wir unserem Schicksal ausgeliefert sind oder wie weit wir es beeinflussen können.
Peter Stamm ist ein Erzähler existentieller menschlicher Erfahrung. In diesem Buch verschwimmen Realität und Fiktion , Wunsch und Erfahrung. Das kann verwirrend sein, bleibt aber bis zum Ende spannend.

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Quendel: Fantasyroman / Ronnefeldt, Caroline; Ueberreuter 2018, Jugendbuch ab 12 J.
Die Quendel sind friedvolle Bewohner im Hügelland an der Grenze zu Endlund. Alle Bedrohungen, Kriege und mystischen Kräfte sind für die Quendel längst in Vergessenheit geraten und gelten als Märchen. Als sich eines Tages Bullrich Schattenbart, der einzige Kartograf im kleinen Dorf Grünlohe, auf den Weg zum Wald Finster begibt und wie schon seine Vorfahren nicht zurückkommt, machen sich seine besorgten Nachbarn und Freunde auf um ihn zu suchen. Denn auch wenn Ihnen klar ist, dass sich etwas unvermeidlich Schreckliches auf den Weg zu ihnen gemacht hat, können Sie Bullrich Schattenbart nicht alleine dagegen ankämpfen lassen.   So braut sich auf ihrem Weg ein bläulich schimmernder Nebel zusammen und Wölfe, Gestaltwandler und andere Wesen treten heraus um die Quendel mit zunehmen.  Debütautorin Caroline Ronnefeldt zieht jeden mit diesem Buch in ihren Bann, ein All-Age-Roman, der nicht nur Jugendlichen gefällt.

                        ein Jugendbuchtipp von Sophie Fritsch

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Mercy Seat / Winthrop, Elizabeth H. ; C.H. Beck Verlag 2018; 22,00 €
Louisiana liegt unter einer Hitzeglocke. Es sind die 1940er-Jahre und die Liebe von Will, einem jungen Schwarzen zu einem weißen Mädchen wird für Will auf dem elektrischen Stuhl enden. Er soll das Mädchen vergewaltigt haben. Lane und Seward bringen den Stuhl in die kleine Stadt St. Martinsville. Frank, der Vater von Will versucht den Wunsch von Wills Mutter nach einem Grabstein zu erfüllen. Alle wissen, dass das Todesurteil ein Skandal ist, aber sogar Will selbst hat aus Trauer und Schuldgefühlen innerlich eingewilligt, und weiße Wutbürger drohen Polly, dem zweifelnden Staatsanwalt mit der Entführung seines Sohnes Gabe. Gabe wiederum ist abgestoßen und fasziniert von der Möglichkeit zu der Hinrichtung zu fahren.
Der Roman beruht auf einer wahren Begebenheit. Er wird aus den unterschiedlichen Perspektiven der Menschen erzählt, die am Tag vor der geplanten Hinrichtung auf die Vollstreckung warten. Psychologisch fein und sehr intensiv erzählt Elizabeth Winthrop die tragischen Ereignisse ohne falsche Sentimentalität. Großartig!

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Wer findet den Schatz? : Vier Rätsel und eine turbulente Suche / Kaufmann, Frank; Orell füssli Verlag 2017; 9,95 €; ab 5 Jahren.
Ida Gans, Flora Kuh, Marlon Maus, Selma Ziege und Otto Schwein haben von ihren Eltern ein Ausflugsrestaurant geerbt. Doch statt sich um die Gäste zu kümmern und sie mit Heidelbeerkuchen zu verwöhnen, schmeißen sie sich Schimpforte an den Kopf, streiten und denken sich immer nur an sich selber. So kommt es, dass die Gäste weg bleiben und damit auch Geld, das dringend nötig wäre. Erst als Fred Fuchs und Kalle Nilpferd den Fünfen anbieten, dass Ausflugsrestaurant zu kaufen, erinnern sie sich, dass eine Schatz geben soll und begeben sich auf die Suche. Bald stellen sie fest, dass eine Suche nichts bringt, wenn man sich weiter streitet. Erst als sie gemeinsam den Misthaufen umschichten, finden Sie erste Spuren.

Auch wenn das Buch mit Schimpfworten wie miese Maus, dumme Gans und alte Meckerziege beginnt, muss man nicht fürchten, dass die Kinder verdorben werden. Es ist ein durchaus witziges Buch mit einer didaktischen Aussage: Streit und Zwietracht nützen höchstens anderen und machen auch keinen Spaß.

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Zeit der Zauberer
Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919-1929 / Eilenberger, Wolfram; Klett Cotta 2018; 25,-€
Vor 100 Jahren, nach dem Ende des ersten Weltkrieges hat sich für viele Menschen das gesamte Weltbild verschoben. Auch für die Philosophen Walter Benjamin, Ernst Cassirer, Martin Heidegger und Ludwig Wittgenstein war es Zeit ihre Gedanken auf die Frage „Was ist der Mensch?“ zu formulieren. Wolfram Eilenberger bezeichnet diese vier als die „Giganten unseres heutigen Denkens“. So unterschiedlich wie die Menschen waren auch die Denkansätze und ihre Auswirkungen auf die jeweiligen Lebensentwürfe. Es sind teilweise extreme Lebensentwürfe, die uns heute trotzdem bekannt vorkommen, die nachvollziehbar sind. Die zehn Jahre zwischen 1919 und 1920 waren eine Zeit mit extremen Veränderungen in Politik und Gesellschaft. Allein 1919 gab es Straßenschlachten, Attentate, die Weimarer Republik wurde gegründet und vieles mehr. Die große Philosophie, die uns hier vorgestellt wird, ist eingebunden in diese Zeit und ohne sie wohl auch nicht denkbar. Entscheidend für das Buch „Zeit der Zauberer“ ist die Lesbarkeit und der hohe Unterhaltungswert dieses Buches, der es auch Lesern und Leserinnen ohne philosophische Kenntnisse ermöglicht an den Erlebnissen und Gedankengängen dieser großen Denker teilzuhaben und sich 100 Jahre später über die eigenen Lebensentwürfe und Werte Gedanken zu machen. Absolut lesenswert.

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Moonglow / Chabon, Michael; Kiepenheuer & Witsch 2018; 24,-€
Moonglow, (Mondschein) steht in diesem Roman von Michael Chabon für eine das 20te Jahrhundert beherrschende Sehnsucht des Menschen: Den Wunsch auf den Mond zu fliegen, den Erdtrabanten zu betreten und das Weltall zu erobern. Es ist auch die Sehnsucht des unkonventionellen Großvaters von Michael Chabon, der gegen Kriegsende Werner von Braun in Deutschland jagte und nach dem Krieg Raketen im Gefängnis bastelte. Während in Deutschland die Mauer fällt, sitzt Michael am Bett seines Großvaters, der in der letzten Woche seines Lebens plötzlich gesprächig geworden ist. So erfährt der Enkel, wie der Großvater seinen Chef fast mit einer Telefonschnur erdrosselt hätte und warum er eine Brücke in Washington in die Luft sprengen wollte. Michael Chabon erzählt mit viel Sprachwitz Episoden aus der Lebensgeschichte seines Großvaters, in denen sich die großen Themen der amerikanischen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts - von der Mond-Raumfahrt bis zum Mauerfall - spiegeln. Der Roman wurde u. a. von der Washington Post und dem Wall Street Journal zum Book of the Year gewählt. Soweit gehe ich nicht, aber es ist ein absolut lesenswertes Buch.

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Männer mit Erfahrung
Roman / Freeman, Castle; DTV 2018; 10,90 €
In einem winzigen Nest in Vermont macht Blackway der jungen Lillian Ärger. Sie fühlt sich verfolgt und ihr Kater liegt fast ohne Kopf auf der Vordertreppe. Sheriff Wingate kann nichts für sie tun, es ist ja eigentlich Nichts passiert. Aber er schickt Lillian zu einer Gruppe eigenwilliger, älterer Männer. Lilian will sich von Blackway nicht vertreiben lassen und beeindruckt von ihrem Mut, ziehen der betagte Lester und der hünenhaften, etwas schlichte Nate mit ihr los. Auch wenn nie klar darüber gesprochen wird, was passieren soll wenn sie Blackway finden, suchen die drei nach ihm während die zu Hause gebliebenen Männer Bier trinken, Karten spielen und viel Vergangenheit, ein bisschen Gegenwart und kaum Zukunft auftischen.
Lakonisch, trocken und erstaunlich dialoglastig ist Castle Freeman ein extrem spannender und außerordentlich heiterer Roman gelungen. Und die scheinbar profanen Weisheiten enthalten auch noch viel Wahrheit.

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Nonna / Thomas de Padova; Hanser Berlin 2018; 18,-€
Kennen Sie Apulien? Falls Sie es kennen, müssen Sie dieses Buch lesen. Falls nicht, müssen Sie dieses Buch unbedingt lesen um dann, wie ich auch, nach Mattinata fahren zu wollen. Thomas de Padova hat als Kind jeden Sommer in diesem Dorf am Meer in Apulien verbracht, im Geburtsort seines Vaters, Großvaters und Urgroßvaters - drei Männern, die irgendwann aus Italien in die Welt aufbrachen. Seine Großmutter blieb. Rund um die eigenwillige Hochzeit der Nonna, erzählt Thomas de Padova von dieser Welt im Wandel der Zeit, von den mehr oder weniger gescheiterten Versuchen aus der Armut und dem vorbestimmten Leben in der Tradition zu fliehen. Die Nonna erwartet ihn Jahr für Jahr, still auf einem Stuhl sitzend, im Dunkel ihres Zimmers: eine alte, schwarz gekleidete Frau, die ohne Kühlschrank lebt. Warum hat der Großvater seine Frau immer behandelt, als existierte sie nicht? Was hat die beiden vor mehr als einem halben Jahrhundert aneinandergebunden? Diese Geschichte ist eine Schatzkammer: Thomas de Padova erzählt fesselnd vom hellen Licht der Adria, das durchzogen ist von uralten Geheimnissen. 

Stadtbücherei Kronberg

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Die Virtuelle Stadtbücherei
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